{"id":79,"date":"2008-03-16T20:38:21","date_gmt":"2008-03-16T19:38:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ccpeine.de\/?p=79"},"modified":"2009-06-30T12:13:13","modified_gmt":"2009-06-30T11:13:13","slug":"linuxinstallation-mit-einem-newbie-ein-erlebnisbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ccpeine.de\/?p=79","title":{"rendered":"Linuxinstallation mit einem Newbie &#8211; ein Erlebnisbericht"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;<strong>Linux ist ja bekanntlich sowas von schwierig !<\/strong>&#8222;, h\u00f6rt man immer wieder sagen. Nun, da\u00df dem nicht so ist, soll anhand dieses Berichtes einmal beleuchtet werden.<\/p>\n<p>In den letzten 3 Tagen habe ich mit einer Bekannten, <strong>absolute Linux-Anf\u00e4ngerin<\/strong>, eine Linux-Installation <strong>per Telefon begleitet<\/strong>. Sie hatte ein Laptop mit zwei Windowspartitionen, und wollte gern Linux auf den Rechner haben, weil Sie vom (Zitat) &#8222;<strong>umst\u00e4ndlichen Windows und den <\/strong><strong>schwierigen Treiberorgien<\/strong>&#8220; sowie der <strong>Lizenzpolitik<\/strong> einfach die Faxen dicke hat !<\/p>\n<p>Die Installation ging dabei in mehreren Schritten von sich:<\/p>\n<p>1. Wichtige Daten sichern<br \/>\n2. Partitionen l\u00f6schen und Platte &#8222;C:&#8220; verkleinern<br \/>\n3. Linux-Partitionen erstellen<br \/>\n4. Linux Grundsystem installieren<br \/>\n5. Linux konfigurieren (inklusive WLAN)<br \/>\n6. Gew\u00fcnschte Applikationen installieren und konfigurieren<br \/>\n7. Hardware einrichten (Drucker, Webcam etc.)<\/p>\n<p><strong>Hinweis: Ich hatte zu keiner Zeit Zugriff auf den Rechner, da der Router SSH blockte. Somit musste sie alles selbst eingeben und hatte als einzige Hilfe meinen <u>telefonischen<\/u> Support.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vorgehensweise<\/p>\n<p>Tag 1.\/Zeitdauer 3h<\/p>\n<p>Unter Windows wurden ben\u00f6tigte Werkzeuge aus dem Internet besorgt: Gparted-Livefile-CD, die Installations-CD von Debian-GNU\/Linux sowie zwei von mir zur Verf\u00fcgung gestellte Dateien: &#8222;<strong>sources.list<\/strong>&#8220; und &#8222;<strong>Paketliste.txt<\/strong>&#8222;. Letztere erzeugt man aus einem bestehenden System mit dem Kommando &#8222;<strong>dpkg &#8211;get-selections &#8218;*&#8216; &gt; Paketliste.txt<\/strong>&#8222;.<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Gparted-Livefile-CD  wurden die entsprechenden Partitionen geloscht und die Partition &#8222;C:&#8220; von 40GB auf 20GB ohne Datenverlust verkleinert.<\/p>\n<p>Nachdem das geschehen war, konnte das Installationssystem gestartet werden, und es wurden <strong>manuell<\/strong> die Partitionen und Mountpoints angelegt. Jeweils eine f\u00fcr \/boot (512MB, ext2), \/ (10GB, ext3), swap (2GB, swap), \/home (15GB, ext3), \/usr (15GB, ext3) und \/var (Rest, ext3).<\/p>\n<p>Jetzt konnte das Grundsystem installiert werden, die Netzwerkverbindung per Kabel eingerichtet werden und das <strong>Profil &#8222;Desktop&#8220;<\/strong> installiert werden.<\/p>\n<p>Dabei wurde auch ein Benutzer angelegt. Viele Erkl\u00e4rungen am Telefon halfen der Bekannten zu verstehen, was gerade passiert und vor allem, warum man dies oder jenes so macht und nicht anders.<\/p>\n<p>Nachdem alle Installationsschritte sauber durchlaufen waren, konnte das System neu gestartet werden, was auf Anhieb funktionierte. Auch das bereits bestehende Windows funktionierte einwandfrei. Nach der Ver\u00e4nderung von Partitionen ist immer ein Start von Windows notwendig, damit die FAT (File Allocation Table) der Windows-Partition neu geschrieben wird. Auch dies lief einwandfrei und es ergaben sich keine Fehler.<\/p>\n<p>Nach dem Kopieren der Datei &#8222;<strong>sources.list<\/strong>&#8220; nach \/etc\/apt\/ konnte die Paketliste \u00fcber &#8222;<strong>apt-get update<\/strong>&#8220; neu eingelesen werden und mithilfe des Kommandos &#8222;<strong>apt-get dist-upgrade<\/strong>&#8220; das System auf den neuesten Stand gebracht werden.<\/p>\n<p>Auch hier lief alles ohne Probleme.<\/p>\n<p>Tag 2.\/Zeitdauer 3h<\/p>\n<p>Nachdem dies erledigt war konnte die vorgefertigte Paketliste eingelesen werden. Dies erleichterte der Bekannten das (auch unter Windows m\u00fchsam notwendige) Suchen und Zusammensammeln der wichtigsten Programme.<\/p>\n<p>Die Liste wurde mit einem einfachen Kommando eingelesen werden: &#8222;<strong>dpkg &#8211;set-selections &lt; \/pfad\/Paketliste.txt<\/strong>&#8220;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich musste ich hier das Kommando per Telefon angeben. Die Handhabung in der Shell ist f\u00fcr einen Anf\u00e4nger sehr ungewohnt. Allerdings konnte ich im Laufe der Installation feststellen, dass auch hier \u00dcbung einen Meister macht.<\/p>\n<p>Jetzt konnten mit dem Kommando &#8222;<strong>apt-get dist-upgrade<\/strong>&#8220; die fehlenden Programme (man nennt das auch Pakete) nachinstalliert werden.<\/p>\n<p>Dies dauerte eine ganze Weile, da ca. 600MB Daten \u00fcber eine DSL-2000 Leitung aus dem Internet gezogen werden mussten.<\/p>\n<p>Nach dem Herunterladen der Pakete packen sich die Pakete selbst\u00e4ndig aus. Einige Applikationen erfordern jedoch vom Benutzer eine Eingabe (meist <strong>Ja<\/strong> oder <strong>Nein<\/strong>, ganz selten mal einen Wert). da es f\u00fcr jede Eingabe auch eine Erkl\u00e4rung \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge in einem Informationsfenster gibt, habe ich meine Telefonpartnerin raten lassen, was eingetragen werden muss. Hierbei musste ich nur in wenigen F\u00e4llen korrigieren.<\/p>\n<p>Wenn alle Fragen beantwortet wurden, entpacken sich die Pakete und installieren sich selbst.<\/p>\n<p>Tag 3.\/Zeitdauer 3h<\/p>\n<p>Am dritten Tag haben wir uns mit Finetuning besch\u00e4ftigt. Da bereits eine grafische Oberfl\u00e4che vorhanden war und der X-Server im VESA-Mode einwandfrei startete, konnte meine Bekannte mithilfe des grafischen Paketinstallers &#8222;<strong>Synaptic<\/strong>&#8220; sehr komfortabel noch einige weitere n\u00fctzliche Pakete nachinstallieren. Dies ging einfach per Mausklick und ich musste auch hier keine Erkl\u00e4rungen dazu abgeben.<\/p>\n<p>Etwas problematisch gestaltete sich die grafische Bedienung als Administrator &#8222;<strong>root<\/strong>&#8222;, da der Login-Manager KDM per default ein Einloggen als &#8222;<strong>root<\/strong>&#8220; aus Sicherheitsgr\u00fcnden per default nicht erlaubt. Um das so zu belassen, aber trotzdem mit Root-Rechten Dateien bearbeiten zu k\u00f6nnen, wurden einfach in der Shell unter X mithilfe von &#8222;<strong>sux<\/strong>&#8220; Root-Rechte f\u00fcr den X-Server erworben und per Kommando der grafische Editor &#8222;<strong>kwrite<\/strong>&#8220; gestartet.<\/p>\n<p>Mit diesem Trick konnte jetzt in der Konfigurationsdatei &#8222;<strong>\/etc\/network\/interfaces<\/strong>&#8220; die notwendigen Eintr\u00e4ge f\u00fcr die WLAN-Karte nach meiner telefonischen Anleitung eingetragen werden.<\/p>\n<p>Leider bedingt die im Notebook eingebaute WLAN-Karte der Fa. Atheros das kompilieren des Kernelmoduls &#8222;<strong>madwifi<\/strong>&#8222;.<\/p>\n<p>F\u00fcr meine Bekannte war das mithilfe des Programms &#8222;<strong>module-assistant<\/strong>&#8220; jedoch einfach zu l\u00f6sen. Hierbei handelt es sich um ein halbgrafisches Werkzeug, welches f\u00fcr das Bauen von Kernelmodulen optimal geeignet ist. Indem man die einzelnen Schritte in dieser Textoberfl\u00e4che durchgeht und ausf\u00fchrt, installiert das Programm zuerst die notwendigen Kernel-Header, l\u00e4dt dann den oder die entsprechenden Quellcode(s) aus dem Internet herunter, baut daraus ein fertiges Debianpaket und installiert es selbst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Auch dieses Problem wurde somit meisterhaft gel\u00f6st, und ebenso ergaben sich hier keine Fehler. Das notwendige Kommando &#8222;<strong>depmod -a<\/strong>&#8220; wurde von mir \u00fcbergangen, ich habe sie einfach angewiesen den Rechner neu zu starten, da beim Hochfahren des Rechners, dieses ausgef\u00fchrt wird und ebenso neue Kernelmodule korrekt geladen werden (autoloader).<\/p>\n<p>Es zeigte sich, dass meine Gedanken korrekt waren, denn der Zugriff auf den WLAN-Router funktionierte sofort.<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df wurde der Drucker eingerichtet. Es handelte sich um einen Drucker von HP, welcher von Haus aus von Linux unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Hierbei wird der Drucker \u00fcber einen Browser (<strong>http:\/\/localhost:631<\/strong>) eingerichtet. Die Konfiguration erkl\u00e4rt sich von selbst, auch hier musste ich keine Sch\u00fctzenhilfe leisten. Alles klappte reibungslos.<\/p>\n<p>Die vorhandene Webcam funktionierte benfalls sofort (<strong>OV511-Chip<\/strong>), lediglich die Anwenderprogramme &#8222;<strong>Kopete<\/strong>&#8220; und &#8222;<strong>Ekiga<\/strong>&#8220; mussten entsprechend konfiguriert werden, was ohne meine Hilfe gelang.<\/p>\n<p>So weit so gut. Im Grunde war damit alles eingerichtet.<\/p>\n<p>Probleme gab es eigentlich nur mit &#8222;<strong>Iceweasel<\/strong>&#8220; (das Linux-Pendant zu Windows-&#8222;<strong>Firefox<\/strong>&#8222;) und <strong>Java<\/strong>. Vermutlich lag das aber an Iceweasel selbst, da auch andere Linux-User das gleiche Problem hatten, wie eine schnelle Google-Suche best\u00e4tigte. Sie nutzt daher den Browser &#8222;<strong>Konqueror<\/strong>&#8222;.<\/p>\n<p>Alles in allem klappte die Installation reibungslos. Die meiste Zeit nahmen die Downloadzeiten in Anspruch (insgesamt ca. 3h) und die Vorbereitungen wie z.B. Windows-Daten sichern, Partitionen verschieben und nat\u00fcrlich die begleitenden Erkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p>Als Feedback habe ich zur\u00fcckbekommen, dass sie (Zitat) &#8222;&#8230;eine Menge gelernt hat, alles viel schneller l\u00e4uft und stabiler zu laufen scheint.&#8220; <strong>Wundert es jemand ? Es ist Linux !<\/strong><\/p>\n<p>Mit KDE kommt sie gut klar, es sei (Zitat) &#8222;&#8230;alles viel einfacher und strukturierter als unter Windows, und auch das Installieren von Programmen und Treibern&#8230;&#8220; (Anm: damit meint sie &#8222;Erkennung von Hardware etc.&#8220;) &#8222;..w\u00e4re viel einfacher und schneller als unter Windows.&#8220;. <\/p>\n<p>Nun ja, ich glaube das jetzt einfach mal. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich hatte es mir schwieriger vorgestellt, da meine Bekannte mit Computern eh noch nicht so erfahren ist und bei Linux doch einiges nicht vorkonfiguriert ist. Und zufrieden ist sie dabei auch noch !<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann man sagen: Die Installation lief reibungslos, auch f\u00fcr einen Laien. Die Bedienung ist einfacher und intuitiver.<\/p>\n<p>Alles in allem ein voller Erfolg, sowohl physisch als auch psychisch !<\/p>\n<p>Hans-J. Ullrich (Ullrich-IT-Consult, admin)<\/p>\n<p>P.S. Kommerzieller Installationssupport , auch vorort, kann gerne (je nach Vereinbarung) geleistet werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Linux ist ja bekanntlich sowas von schwierig !&#8222;, h\u00f6rt man immer wieder sagen. Nun, da\u00df dem nicht so ist, soll anhand dieses Berichtes einmal beleuchtet werden. In den letzten 3 Tagen habe ich mit einer Bekannten, absolute Linux-Anf\u00e4ngerin, eine Linux-Installation per Telefon begleitet. 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